Konzeption Kinderplanet e.V.
Januar 2002
I.Rahmenbedingungen der Einrichtung
II. Ausgangspunkte unserer pädagogischen Überlegungen
II.1. Spiel ist keine Spielerei
II.2. Spielen bedeutet Erwerb von Kompetenzen
II.3 Spielen ist Lernen
II.4 Konsequenzen für die Elementarpädagogik
III. Erziehungsziele im Kinderplanet
IV. Erzieherverhalten
IV.1. Verstärkungslernen
IV.2. Modellernen
IV.3. Konsequenzen für die pädagogische Arbeit
V.Gemeinsames Leben von behinderten und nicht behinderten Kindern
V.1. Was bedeutet Integration
V.2. Pädagogische Arbeit in Bezug auf die Integration
V.3. Zusammenarbeit von Team, Eltern und Therapeuten
VI. Elternarbeit
VI.1. Erwartungen an die Zusammenarbeit
VI.2. Für die Betreuer bedeutet das
VI.3. Für die Eltern des Kinderplaneten bedeutet das
VII. Mitarbeiter-Team
I. Rahmenbedingungen der Einrichtung
Unsere Gesellschaft und damit auch die Funktion der Familie, sowie die jedes einzelnen Familienmitgliedes unterliegt einem steten Wandel und wird immer vielschichtiger. Hierin gründet sich ein ständig steigender Bedarf an Tageseinrichtungen zur familienergänzenden Betreuung.
Ein großer Bedarf besteht dabei für Kinder der Altersgruppe von 4 Monaten bis zu 6 Jahren in kleinen altersgemischten Gruppen. Für diese Kinder bietet eine Tagesstätte (u.a. da sie durch ihre Öffnungszeiten unterschiedlichen Arbeitszeiten angepasst ist) eine umfassende Betreuung der Kinder auf pädagogischen und pflegerischen Gebieten.
Die Kindertagesstätte (Kita) „Kinderplanet“ e.V. ist eine integrativ arbeitende Tageseinrichtung im Sinne des GTK ( Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder). Der Kinderplanet ist ein eingetragener Verein und wird als Elterninitiative geführt. Die Mitglieder des Vereins wählen alle zwei Jahre einen Vorstand welcher der Träger ist. Dachverband des Kinderplaneten ist der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Die Öffnungszeiten sind durchgehend montags bis freitags 7.00 bis 17.00 Uhr. Die Betreuungszeit der Kinder ist Montag bis Donnerstag von 7.oo – 17.00 Uhr, sowie freitags von 7.00 – 12.30 Uhr, bzw. bis 15.00 Uhr in einer Notgruppe. Betreut werden Mädchen und Jungen von 4 Monaten bis zur Einschulung, unabhängig ihrer sozialen Schicht, Konfession oder Nationalität.
Im Kinderplaneten sind zur Zeit 16 Mitarbeiter in den Bereichen Pädagogik, Verwaltung und Hauswirtschaft beschäftigt. Der Kinderplanet arbeitet mit zwei kleinen, altersgemischten Gruppen. Jede Gruppe bietet 15 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von 4 Monaten bis zu 6 Jahren an, die ein familienähnliches Zusammenleben ermöglichen. In beiden Gruppen arbeiten jeweils fünf pädagogische Mitarbeiter.
Das Prinzip der altersgemischten Gruppe, bei dem nicht alle Kinder das gleiche Alter und den gleichen Entwicklungsstand haben, fördert das Lernen von Kind zu Kind. Diese gemischte Altersstruktur gestattet jedem Kind ein Geben und Nehmen. Es entstehen Lern – Prozesse, die der Erwachsene nicht künstlich einleiten oder steuern muss. Hierbei darf der Betreuer eine begleitende Rolle übernehmen, die Kinder ermutigen selbständig Problemlösungen zu suchen. Die Eigenständigkeit und das Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen Kindes wird im täglichen Miteinander durch diese Konstellation unterstützt. Das Sozialverhalten der Kinder wird gefördert.
So haben auch Geschwisterkinder viele Möglichkeiten aus ihrer mehr oder weniger festgelegten Rolle, die sie innerhalb der Familie übernehmen, herauszutreten. Jüngere Geschwister können innerhalb der Gruppe andere Kinder in ihrem Tun unterstützen, zur Seite stehen und einfach „groß“ sein. Ältere Geschwisterkinder können sich innerhalb des Gruppengeschehens auch mal in die Rolle des „Kleinen“ begeben, sich anlehnen, auf Hilfe und Verständnis von größeren Kindern hoffen. Einzelkinder leben in einem ständigen Miteinander von „Groß und Klein“ - erleben mit, dass sie nicht immer im Mittelpunkt stehen.
Die Vielfalt menschlichen Lebens äußert sich in den Unterschieden der Hautfarbe, Physiognomie, Gestalt, Sprache oder Nationalität, wie auch in unterschiedlichen körperlichen, geistigen oder seelischen Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Menschliches Leben ist ein Miteinander des Unterschiedlichen. Aus diesem Grund versteht sich der Kinderplanet als Einrichtung, welche die Erfahrung für selbständiges und kooperatives Handeln mit in ihre Arbeit einbezieht, wobei berücksichtigt wird, dass es Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt, mit denen man sich auseinandersetzen muss.
Gesetzlich hat die Kita die Aufgabe, die Erziehung der Kinder in ständigem Kontakt mit dem Elternhaus und anderen Erziehungsberechtigten auszuführen, wobei die Familienerziehung nicht nur unterstützt, sondern auch ergänzt wird. Die Kita soll darüber hinaus den Eltern beratend und informierend zur Seite stehen, so dass die Erziehung der Kinder durch Zusammenarbeit aller Beteiligten begünstigt wird.
II. Ausgangspunkte unserer pädagogischen Überlegungen
II.1 Spiel ist keine Spielerei
Das Spiel(en) hat im Leben von Kindern weder etwas mit zufälliger Freizeitgestaltung noch mit einer rein lustbetonten Tätigkeit zu tun. Es ist kein Nebenprodukt einer Entwicklung noch ist es ein verzichtbares Produkt im Lebenszyklus eines Menschen!
Das Spiel ist gewissermaßen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen. Und neben dem Elternhaus als erste Entwicklungsinstitution, in der das Kind individuelle und kommunikative Fähigkeiten aufbauen kann, ist die Kita der Ort, an dem das begonnene Fundament gefestigt und ausgebaut werden kann.
Darauf haben schon vor vielen Jahren Entwicklungspsychologen hingewiesen, darauf weisen heutige Entwicklungsforscher noch dezidierter hin. So vereint Spielen grundsätzlich drei Funktionen:
l Erstens ist das Spiel von ganz entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung
eines Kindes;
l zweitens ist das Spiel der Nährboden für einen darauf aufbauenden Erwerb von
notwendigen schulischen sowie beruflichen Fähigkeiten und
l drittens gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Spiel- und Schulfähigkeit.
Es ist schwer verständlich und noch schwerer nachzuvollziehen, dass einerseits die mangelnde Schulfähigkeit der Kinder immer häufiger beklagt wird, andererseits festgestellt werden muss, dass die Spielfähigkeit von Kindern in gleichem Maße immer weniger ausgeprägt ist.
II.2. Spielen bedeutet Erwerb von Kompetenzen
Alles, was Kinder sehen und hören, fühlen, in Händen halten und begreifen, wird schnell zum Spiel. Ob es das Ziehen von Mustern auf dem Kartoffelbrei, das Selbstunterhaltungsspiel beim Anziehen, das Grimassenziehen beim Waschen vor dem Spiegel, das Aufheben und Werfen eines Steines oder das Klettern auf einen Baum ist: Sofort entsteht schnell eine Spielhandlung. Es ist die "handelnde Auseinandersetzung" der Kinder mit ihrer gesamten Umwelt. Kinder wollen sie entdecken, verstehen, sich ihren Gesetzmäßigkeiten annähern und sich mit unbekannten Dingen vertraut machen. Für Kinder gibt es noch keine Routine, keine Gewohnheiten, keine Verhaltensmuster. Es ist ihre Welt der ständigen Begegnung mit neuen Handlungsmöglichkeiten, die die Kinder als eine natürliche Motivation erfassen. Entsprechend dem Motto "das Unbekannte muss bekannt werden, das Neue wartet auf eine persönliche Entdeckung, das Reizvolle will erlebt werden!" So wundert es nicht, wenn Spielforscher davon ausgehen, dass Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr ca.15.000 Stunden spielen (müssen!). Das sind ca. 7 - 8 Stunden pro Tag! Hier kommt die entwicklungspsychologische Lernfolge bei Kindern zum Tragen: Zunächst geraten sie in ein gefühlsmäßiges Ungleichgewicht zwischen wahrnehmen und etwas erfahren wollen. Dann gehen Kinder der angeregten Tätigkeit nach, indem sie handelnd tätig werden. Nun gerät ihre Emotionalität in einen Wechsel von Spannung und Entspannung.
Schließlich machen sie sich ihre Gedanken über das, was war und ist und denken darüber nach, was werden kann/soll. Einzelne, bedeutsame Erfahrungen verknüpfen sich zu Ein-, An- und Aussichten, die in ähnlichen Situationen wiederverwendet oder verworfen werden, übertragbar sind oder verändert werden müssen. Dadurch finden Kinder ihre Standpunkte, lernen Situationen und Gegenstände einzuschätzen, können Dinge/Geschehnisse wiedererkennen und entsprechend ihrer besonderen Sinnhaftigkeit zuordnen. Kinder, die viel und intensiv spielen, nehmen dabei ihre Besonderheit, ihre Einmaligkeit, ihre Handlungsmöglichkeiten und -grenzen, ihre Gefühls- und Gedankenwelt wahr.
II.3 Spielen ist Lernen
Solange der Begriff „Lernen" als eine Ansammlung von Wissen verstanden wird, solange wird sich auch das Vorurteil halten, Lernen sei lediglich das Ergebnis von gezielten Angeboten zur Erweiterung des Wissens. Vielleicht liegt darin auch der Grund, dass das Lernen immer noch als ein Produkt sichtbarer Arbeit des Kindes bewertet wird, welche Liedtexte es kann und welche Bücher es kennt, ob es seinen Namen schreiben kann oder welche geometrischen Formen es zu unterscheiden in der Lage ist. Doch diese Vorstellung von Lernen und Schulfähigkeit gehört schon lange der Vergangenheit an. Kinder „lernen" notwendige Kompetenzen „nebenbei" - gerade ohne gezielte kognitive Lernangebote. Insoweit wird seit langem das Lernen als ein "Auf- und Ausbau von Verhaltensweisen und deren Verinnerlichung" verstanden. Das Spiel(en) bietet dafür die reichhaltigste Palette. Kinder handeln in sinnverbundenen Lebensbezügen und qualifizieren dadurch ihre Kompetenzen, die sie für ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben brauchen. Allerdings - und das erscheint heute besonders beachtenswert - nur dann, wenn sie auf eine Pädagogik im Elternhaus und in der Kita treffen, die ihnen auch die ganze Erfahrungspalette des Spiels ermöglicht, sie gemeinsam mit Kindern erleben und lebendig in Spielhandlungen umsetzen:
l Entdeckungs- und Wahrnehmungsspiele,
l Gestaltungs- und Geschicklichkeitsspiele,
l Konstruktions- und Bauspiele,
l Steck- und Strategiespiele,
l Bewegungs- und Musikspiele,
l Finger- und Handpuppenspiele, Schatten- und Marionettenspiele,
l darstellendes Spiel und Interaktionsspiele,
l Aggressionsspiele zum Austoben und
l Ruhe-/Meditationsspiele,
l Rollen- und Emotionsspiele,
l Imitations- und spannende Planspiele,
l Märchen- und Mobilitätsspiele.
Aufgabe der Pädagogik ist es daher, nicht primär dem sogenannten "freien Spiel" die Hauptbedeutung zuzuweisen. Vielmehr geht es darum, Kindern dabei zu helfen - aktiv und engagiert - diese vielen Spielformen zu entdecken, um dadurch erst eine Spielfähigkeit auf- und auszubauen.
Wir als Betreuer wollen den Kindern dieses notwendige Experimentierfeld so groß und vielfältig wie nur möglich gestalten, ohne bestimmte Erfahrungen vorwegzunehmen, sondern eher Kinder motivieren und gegebenenfalls unterstützend und verstärkend begleiten. Kinder können erst dann im freien Spiel ihre Möglichkeiten ausschöpfen und erweitern, wenn sie die Grundlage einer Spielfähigkeit verinnerlicht haben. Dadurch werden sie befähigt eine Vernetzung der zwei Welten herzustellen: ihrer seelischen Innenwelt und der dinglichen Außenwelt.
II.4. Konsequenzen für die Elementarpädagogik
Die Spielfähigkeit muss als eine kindeigene, lebensnotwendige Ausdrucks-, Erfahrungs- und Erlebniswelt verstärkt aufgebaut werden. So können Kinder ihren ursprünglichen Reichtum an Ausdrucksverhalten und die vielfältigen, damit verbundenen Lernmöglichkeiten wieder erleben. Was Kinder brauchen, ist eine unmittelbare Welt und ein entsprechendes Bedingungsgefüge, was ihnen erlauben, intensives Spielen mit aktiven Erzieher(inne)n und Eltern als Mitspieler(innen) zu erleben. Spielen unterstützt die Lernfreude, die Lernmotivation und damit die Neugierde.
Albert Einstein hat einmal über sich berichtet, dass er bekannterweise
nicht besonders begabt sei oder in irgendwelcher Art und Weise vorschulisch
getrimmt wurde. Allerdings sei er stets besonders neugierig gewesen.
Heute gilt Neugierde die Voraussetzung zum Lernen. Und Entwicklungspsychologe Piaget schrieb: „Alles, was wir die Kinder lehren, können sie nicht mehr selbst entdecken und damit wirklich lernen." Denn Spiele vollziehen sich nicht in erster Linie auf irgendwelchen Tischen, sondern geschehen dort, wo das Leben pulsiert: in spannenden Projekten, in Höhlen und Buden, auf Bäumen und auf dem Boden, in selbst gebauten Hütten, im Wald und auf Wiesen, beim Hämmern und Sägen, Laufen und Buddeln, Schätze entdecken, bei lebendigen Festen und geheimnisvollen Erkundungen. Dort spielt sich das wirkliche Leben ab.
Folgerichtig gehört es zu unserem Grundverständnis die Eigenmotivation, die aus natürlicher Neugier, der Freude am „Selber-Tun“, dem Wissens- und Bewegungsdrang des Kindes entsteht, einerseits zu erhalten und zu festigen und gleichzeitig als Ansatz unserer pädagogischen Arbeit anzusehen.
III. Erziehungsziele im Kinderplaneten
Ausgangspunkt unserer Überlegung ist die Betonung der zentralen Stellung der Interaktion in der Kindergruppe zwischen:
Kind – Kind
Kind – Erzieher
Erzieher - Erzieher.
Zur Verwirklichung dieses Ansatzes ist eine partnerschaftliche, vom demokratischen Grundgedanken geprägte Beziehung zwischen Kind und Erzieher notwendig. In diesem Sinne ist das Kind und sein Verhalten nicht „Gegenstand“, sondern Ausgangspunkt allen erzieherischen Handelns.
Zu den primären Zielen des Kinderplaneten gehören:
1. SOZIALVERHALTEN
Das Kennenlernen und Annehmen der eigenen Person mit ihren Qualitäten und Schwächen, ihren positiven und negativen Gefühlen, das Erkennen ihrer Prozesshaftigkeit und somit auch ihrer Veränderbarkeit und das Umgehen mit ihrer Geschlechtlichkeit sind Voraussetzung für ein gesundes Selbstvertrauen und somit für die Vertrauensbildung anderen Menschen gegenüber. Also letztendlich für die Bindungsfähigkeit eines Menschen. Ebenfalls wichtig für die Bindungsfähigkeit des Menschen ist seine Fähigkeit zur Empathie, also die Möglichkeit des Einfühlens in die Empfindungen und Bedürfnisse anderer. Sie stellt zugleich die Grundlage jeden positiven Sozialverhaltens dar. Zur Lösung von Problem- und Konfliktsituationen wird diese dringend erforderlich, nicht zuletzt deshalb, weil das Kind bzw. der Erwachsene aus dem Bewußtsein handeln soll, sein Leben in der Gruppe / Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmen zu können.
Sich der ständig ändernden Umwelt stellen, Konflikte und Probleme sachgerecht und situationsgemäß angehen und lösen, eigene Entscheidungsfähigkeit, Bereitschaft zur Kooperation, Einsatz eigener Aktivitäten und Kreativität für das Wohl der Gruppe, Koordination unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse, füreinander einstehen, aus einem „Wir-Gefühl“ heraus gemeinsame Interessen durchsetzen sind die Bestandteile eines funktionierenden Gruppenlebens. Erst diese emotionalen und sozialen Fähigkeiten bieten die Basis für weitere vielfältige Erfahrungen (wie. Sprachförderung, Förderung von Fein- und Grobmotorik, Sensibilisierung für Vorgänge in der Natur).
2. ERFAHRUNGEN DURCH KREATIVITÄT
Die normale Umwelt des Kindes (d.h. hochgradige Technisierung, beengte Wohnverhältnisse, Konsumorientierung der Erwachsenenwelt, Zeitmangel, daraus resultierende mangelnde Möglichkeit Aggression und Spannung über eigene Aktivität abzubauen ...) schränkt die Möglichkeit kreativer Erfahrung zunehmend ein. Schöpferische Ideen können so oft gar nicht entstehen, geschweige denn sich entwickeln oder potenzieren. Das, was sich uns als Freude am „Selber-Tun“, als Eigenmotivation darbietet, hat unter diesen Bedingungen nur einen bedingt fruchtbaren Nährboden. Gerade die uns so erscheinenden Phänomene sind es aber, die zum Aufbau eines stabilen, flexibel nutzbaren Repertoires an Handlungsmöglichkeiten führen. Daher gestaltet der Kinderplanet das Erfahrungsspektrum der Kinder so vielseitig wie möglich, um der Kreativität keine Grenzen zu setzen. Das Erkennen der eigenen Grenzen, die Koordination von Augen Hand Abläufen, sowie die Entfaltung der Fein- und Grobmotorik stehen hierbei im Vordergrund.
3. KRITIKFÄHIGKEIT
Das Kennenlernen, Erproben und Beherrschen von Kommunikationsmitteln und Möglichkeiten, die kritische Aneignung von relevanten Werten und Normen (zur kritischen Aneignung gehört auch die Frage nach deren Berechtigung), sowie die Möglichkeit seine eigene Position innerhalb einer Gruppe zu bestimmen, sie zu akzeptieren und unter bestimmten Bedingungen auch verändern zu wollen, gehören zu den bestimmenden Faktoren einer funktionierenden Gruppe und somit auch zu einer funktionierenden Gesellschaft.
4. LERNEN DURCH HANDELN
Eine weitere Lernart, die besonders im Vorschulalter an Bedeutung gewinnt, ist das Lernen durch Experimentieren bzw. Problemlösen. Basis dafür ist eine offene Lernsituation, d.h. ein breites und vielseitiges Experimentierfeld, das das Kind anregt, nach selbständigen Lösungen zu suchen. Denn durch eigene Erfahrungen seine Umwelt zu entdecken, ist am einprägsamsten. Das Verhältnis zu eigenmotivierter Leistung, d.h. die positive Einstellung zu eigenen Ideen und Produkten solcher kreativen Prozesse, wird im Vorschulalter grundgelegt und ihre Entwicklung wird in starkem Maße durch die Förderung der Selbständigkeit positiv beeinflusst.
IV. Erzieherverhalten
Für die Umsetzung der Ziele auf unser Verhalten als Erzieher und andere Bezugsperson werden entwicklungspsychologische Aspekte bedeutsam. Das Wissen um die Art, die Motivation und den Zeitrahmen von Lernprozessen bzw. Verhaltensänderungen beim Kind bestimmt das Erzieherverhalten. Neben den entwicklungspsychologischen Erkenntnissen haben die folgenden lernpsychologischen Forschungsergebnisse große Bedeutung:
IV.1 Verstärkungslernen oder Lernen am Erfolg
Zunächst eine kurze Definition dieser Lernart: Zieht eine Handlung oder ein Verhalten einen angenehmen Zustand nach sich, wird diese Handlung bzw. dieses Verhalten häufiger gezeigt.
Der „angenehme Zustand“ als Folge eines Verhaltens wird auch als Verstärkung bezeichnet. Man unterscheidet zwischen positiven und negativen sowie primären und sekundären Verstärkungen. Bei negativen Verstärkungen fällt etwas Unangenehmes weg (z.B. ein Kind hat Angst sich in einem unbeleuchteten Raum zu bewegen. Durch das Einschalten des Lichtes wird dem Kind die Angst genommen.)
Positive Verstärkungen sind angenehme Zustände. Dabei unterscheidet man zwischen primären und sekundären Verstärkungen. Die primären Verstärkungen sprechen primäre oder existentielle Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst, Sexualität an. Sekundäre Verstärkungen sprechen (erlernte) Bedürfnisse wie das nach Gemeinschaft, nach Anerkennung etc. an.
Für die pädagogische Arbeit bedeutet dies: Wenn ein bestimmtes Verhalten eines Kindes oder der Gruppe gefördert werden soll, bietet das natürliche Interesse des Kindes an der Befriedigung seiner Bedürfnisse einen wichtigen Ansatzpunkt.
IV.2 Modellernen
Hier handelt es sich um eine relativ dauerhafte Verhaltensänderung, die dann eintritt, wenn das Kind das Verhalten einer Person beobachtet und sein Verhalten dem der beobachteten Person angleicht. Warum Kinder ein bestimmtes Verhalten einer Person zu ihrem Modell machen, ist in der psychologischen Forschung umstritten. In der Lernpsychologie (Bandura) wird davon ausgegangen, dass Kinder bestimmte Verhaltensweisen imitieren, weil an der beobachteten Person eine stellvertretende Verstärkung vorgenommen wird.
Kognitionspsychologen hingegen gehen von einer angeborenen Kompetenzmotivation des Kindes aus (siehe z.B. Kohlberg). Eindeutig ist aber, dass Imitationsvorgänge eine große Rolle in der Erziehung spielen, weil dadurch sowohl der umständliche Weg von Versuch und Irrtum umgangen, als auch relativ konstante Verhaltensmuster und Denkschemata ausgebildet werden.
Entscheidend ist, wie der Prozess des Lernens am Modell für die Erziehung genutzt werden kann.
Der Erzieher muss sein Verhalten ständig reflektieren, um unerwünschte Identifikationseffekte zu vermeiden. Durch seine Position als „übermächtiges“ erwachsenes Wesen, als kompetenter Spiel- und Gesprächspartner, als Organisator des Gruppenlebens, als Person mit Schlüsselgewalt usw., sollte der Erzieher in dem ständigen Bewußtsein handeln, vom Kind als Identifikationsobjekt adaptiert zu werden.
IV.3 Konsequenzen für unsere Arbeit
Die elementarpädagogische Arbeit in der Kita Kinderplanet zielt daher darauf hin den Kindern vielfältige, lebensnahe und individuelle Spielräume zu bieten.
Dies geschieht durch verschiedenste Materialien, Angebote, Situationen innerhalb und außerhalb der Kita. Die Förderung der Gruppe setzt die Förderung des Einzelnen voraus, genau so wie die Förderung des Einzelnen einer pädagogischen Bemühung um die Gruppe bedarf.
So werden im Kinderplaneten Freiräume geschaffen, in denen Kinder ein vielfältiges Angebot an Materialien nicht nur zweckgebunden erfahren können, und durch Ausflüge und Aktivitäten im näheren und weiteren Umfeld (Wald, Supermarkt, Orte des öffentlichen Lebens) neue Lernansätze erlangen.
V. Gemeinsames Leben von behinderten und nicht behinderten Kindern
V.1. Was bedeutet Integration
Die Integration ist ein Prozess der Wiederherstellung von gemeinsamen Lebens- und Lernumfeldern in einer sozialen Gemeinschaft.
In unserer Einrichtung liegt der Schwerpunkt der Integration auf Menschen nach §39 des Bundessozialhilfegesetzes: Kinder mit Behinderungen sowie Kinder die von Behinderungen bedroht sind oder im Vergleich zu Gleichaltrigen stark entwicklungsverzögert sind.
Wenn man von Behinderung redet, muss man bedenken, dass damit Personen gemeint sind, die aufgrund von körperlichen, geistigen oder seelischen Schäden in einem existenzwichtigen sozialen Beziehungsfeld - wie Familie, Kindertageseinrichtungen, Schul- und Berufsbildung, Wohnen und Freizeitgestaltung - durch wesentliche Funktionsausfälle nicht nur vorübergehend beeinträchtigt sind und deshalb besonderer Hilfe durch die Gesellschaft bedürfen (bayrischer Landesplan für Behinderte).
Integration in diesem Sinne beinhaltet für uns Akzeptanz und Toleranz für die Stärken und Schwächen eines jeden Menschen zu entwickeln und damit einen Alltag entstehen zu lassen. Kinder mit Beeinträchtigungen sollten als gleichberechtigt angesehen werden und aus der Anerkennung heraus von jedem individuell unterstützt werden. Sie sind als Teil der Gruppe sowie der Gesellschaft zu sehen und nicht als Aussenseiter.
Die frühe Auseinandersetzung mit Kindern, die in Ihrer Entwicklung beeinträchtigt sind, ist für die soziale Entwicklung eines jeden – Kinder, Eltern, Betreuer – von besonderer Bedeutung. Vorurteile, Unsicherheiten oder Hemmungen können so abgebaut werden oder gar nicht erst entstehen. Persönlichen Grenzen, Werte und Normen können durch diese Erfahrung beeinflusst und neu gestaltet werden. Das Miteinander kann positiv erlebt werden und die soziale Entwicklung prägen.
Integrative Arbeit in der Kita ermöglicht Kindern mit Beeinträchtigungen einen natürlichen Lebensraum in ihrem Wohnumfeld. Die gemeinsame Erziehung entspricht einer zeitgemäßen und situationsbezogenen Gesellschaft. Unser Ansatz das Kind mit seinen Bedürfnissen in seiner persönlichen Lebenssituation zu sehen und zu fördern, ermöglicht eine dem Kind individuell entsprechende Integration. Die Zusammensetzung der Gruppen in unserer Einrichtung bietet einen überschaubaren Rahmen. Durch die gute personelle Besetzung der Gruppen und die kleine Altersmischung ist ein entwicklungspezifischer Rahmen für integrative Arbeit ermöglicht.
Kriterien, die sich für die Aufnahme von Kindern mit Behinderungen ergeben, sind auf die räumlichen und jeweiligen gruppendynamischen Gegebenheiten zurück zu führen. Grundsätzlich sollte der Umfang der Beeinträchtigungen eine aktive Integration ermöglichen. Die Entwicklungsbedürfnisse der Gruppe dürfen durch die Integration nicht unterdrückt werden.
V.2. Pädagogische Arbeit in Bezug auf die Integration
Für die integrative Arbeit ist die Schaffung von Kooperationsmöglichkeiten für alle eine Basis für das gemeinsame Leben in einer sozialen Gruppe. Der Tagesablauf der Kita sowie Angebote, welche die Entwicklungsförderung der Gruppe beinhalten, sollten grundsätzlich auch die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder mit Beeinträchtigungen berücksichtigen. Der entstehende Mehraufwand muss bei den Planungen berücksichtigt werden.
Die Entwicklungsförderung der Kinder sollte den Fähigkeiten entsprechend ausgerichtet sein und auf ein möglichst selbständiges und soziales Leben in der Gesellschaft vorbereiten. Bei der Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten im Umgang mit den jeweiligen Handycaps sollten Hilfestellungen angeboten werden.
Die oft eingeschränkte Leistungsfähigkeit entwicklungsbeeinträchtigter Kinder erfordert vermehrt Ruhephasen. Diese können durch Angebote in abgeschlossenen Räumen in Einzelförderung oder Kleingruppen aufgefangen werden.
Die Reflektion des pädagogischen Handelns hat bei der integrativen Arbeit einen besonderen Stellenwert. Sowohl für die Kinder, als auch für das Team, ist der Verarbeitungsprozess über die Erfahrungen im integrativen Guppenalltag für ein positives Erleben ein wichtiger Bestandteil. Den Kindern muss ein ausreichender Raum geschaffen werden, sich mitteilen zu können und eine Verarbeitung spielerisch angeregt werden.
V.3. Zusammenarbeit von Team, Eltern und Therapeuten
Das gemeinsame Leben und Erleben mit Kindern, die eingeschränkt sind in ihrem Tun und Handeln, lässt auch die Mitarbeiter häufiger an ihre persönlichen Grenzen stoßen. Diese Grenzen sollten von jedem angenommen und unterstützend mitgetragen werden. Die Möglichkeit jederzeit Hilfe und Rat bei den Mitarbeitern zu bekommen ist wichtig für ein sicheres und bestärktes Handeln. Das Team muss ein Rückrat darstellen, damit Grenzen und Ängste zugelassen werden können für eine positive integrative Entwicklung.
Ein regelmäßiger Austausch über gesammelte Erfahrungen und Fachwissen im Team und mit allen Integrationsbeteiligten – Eltern, Ärzten, Therapeuten – muss gewährleistet sein. Die Transparenz der Arbeit ist für das Team und für die Eltern von besonderer Wichtigkeit. Eine regelmäßige, gemeinsame Reflexion über Beobachtungen und Erfahrungen im Alltag mit den Kindern sowie der Austausch über die laufenden Therapieangebote gehören zu dem Fundament der integrativen Arbeit.
VI. Elternarbeit
Eine effektive Arbeit kann nur gewährleistet sein, wenn auch die Eltern intensiv mitarbeiten. Daher sehen wir im Kinderplaneten die Zusammenarbeit mit den Eltern als einen wichtigen Grundstein in unserer gemeinsamen Erziehung an .Deshalb muss auch bei der Aufnahme von Kindern und der Einstellung von Mitarbeitern dieses Konzept als allgemein verbindliche Grundlage angesehen werden, wobei die mögliche gemeinsame Weiterentwicklung und Diskussion sich als selbstverständlich versteht. Ein gewisser Konsens ist aber unbedingt notwendig, da sonst eine funktionierende Zusammenarbeit nicht möglich ist.
Desweiteren sollten Eltern und Erzieher im Umgang miteinander darauf achten, den Schwächen des anderen mit Toleranz und Hilfsbereitschaft zu begegnen und ihn als gleichwertigen, in der Arbeit mit den Kindern unentbehrlichen Partner anzusehen. Dabei ist die Tatsache nicht zu übersehen, dass Eltern und Erzieher die Kinder in unterschiedlichen Kontexten erleben. Somit werden die Erfahrungen sich nicht völlig überschneiden, worin die Möglichkeit der gegenseitigen Information und Ergänzung begründet liegt. Dazu ist Offenheit untereinander und die Fähigkeit Kritik in sachlicher Form zu äußern und anzunehmen notwendig.
VI.1. Erwartungen an die Zusammenarbeit
Nur vor einem sachlichen Hintergrund lassen sich die unterschiedlichen Erwartungen von Eltern und Kita in akzeptierender, freundlicher Atmosphäre besprechen. Die Tageseinrichtung kann die Arbeit nicht restlos auf jeden Einzelfall abstimmen, aber immer wieder ernsthaft prüfen, ob und wie die Möglichkeiten und Bedürfnisse des Kindes und seiner Familie berücksichtigt werden können. Auf verschiedene Weise versucht der Kinderplanet die Arbeit mit dem Kind für die Eltern transparent zu gestalten.
Zum Beispiel:
- durch das Ansprechen der Ziele und Methoden der gemeinsamen Erziehung bei Aufnahmegesprächen, Hausbesuchen, Tür- und Angelgesprächen,
- durch das Erläutern der von den Eltern erlebten Kita, z.B. Elternabende, Hospitation der Eltern in den Gruppen, Familienwochenende,
- durch Öffentlichkeitsarbeit, mit den Eltern und anderen Interessierten im Einzugsbereich der Tageseinrichtung,
- durch Feste oder Veranstaltungen, die Gelegenheit geben, etwas vom Kita-Leben anschaulich darzustellen,
- durch die Unterstützung der Eltern im pädagogischen und organisatorischen Kita-Alltag.
VI.2 Für die Betreuer des Kinderplaneten bedeutet das
- möglichst viele Informationen über die Kinder an die Eltern weiter zu geben,
- die Eltern über Ziele, Inhalte und Aktivitäten der Gruppe zu informieren,
- die Eltern zur Mitarbeit und Unterstützung anzuregen,
- Elternabende zur konstruktiven Auseinandersetzung zu nutzen,
- auch bei Unsicherheiten oder Problemen vorrangig den Austausch mit den Eltern zu suchen,
- Hausbesuche anzubieten,
- die Kindertagesstätte als Kommunikationstreffpunkt zu sehen und zu präsentieren,
- Möglichkeiten zur vielschichtigen Fortbildung, sowie fachkompetente Beratungen zu nutzen.
VI.3. Für die Eltern des Kinderplaneten bedeutet das:
- möglichst viele Informationen über die Kinder an die Erzieher weiterzugeben,
- die Erzieher über Zielvorstellungen und Aktivitäten in der elterlichen Erziehung zu informieren,
- Elternabende zu konstruktiven Auseinandersetzungen zu nutzen,
- die Erzieher bei Interesse zu Hausbesuchen einzuladen,
- bei Bedarf die Kindertagesstätte als Kommunikationstreffpunkt zu nutzen,
- die Fachkompetenz des pädagogischen Personals bei Erziehungsfragen in Anspruch zu nehmen,
- Das pädagogische Konzept des Kinderplaneten eigenständig zu unterstützen und mit zu tragen.
VII. Mitarbeiter-Team
Die ständige Auseinandersetzung mit dem Alltag der Kinder, Eltern und Mitarbeiter verlangt eine funktionierende Zusammenarbeit im Team. Dafür ist die transparente Gestaltung des Arbeitsstils und der Erziehungsvorstellungen eines jeden Einzelnen von großer Wichtigkeit. Die unterschiedlichen Fähig- und Fertigkeiten der Mitarbeiter und die Individualität eines jeden bereichert die Vielfältigkeit des Teams. Jeder Mitarbeiter setzt sich kritisch mit den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Veränderungen auseinander und zeigt Bereitschaft zur fachlichen Weiterbildung. Ein partnerschaftlicher und sachlicher Austausch ist für uns die Voraussetzung kritikfähiger und toleranter Zusammenarbeit. Auf dieser Grundlage basiert eine funktionierende Teamarbeit im Kinderplanet.
